
Hinweis: In diesem Beitrag geht es auch um Sexualität in meiner Jugend, ohne Details. Orte und Namen sind geändert.
Ich war nie lange still
Als Kind hatte ich einen vollen Terminkalender. Ich sag’s dir ehrlich: Ich war nie lange still.
Das habe ich alles gemacht:
- Ballett
- Jazz
- Ponyreiten
- Volleyball
- Snowboard
- Karate
- Hip-Hop
Tanzen wurde zur Leidenschaft
Ballett habe ich in der ersten und zweiten Klasse gemacht. Danach kam Jazz, von der zweiten bis zur fünften Klasse.
In der Schule hatte ich einen Auftritt. Dabei merkte ich: Tanzen wurde für mich zur Leidenschaft.
Meine Idole: Victoria und Brian
Ich war Riesenfan der Spice Girls. Mein Lieblingsmitglied: Victoria.
Und ich liebte die Backstreet Boys. Mein Liebling dort: Brian.
Victoria war mein Idol. Ich wollte sein wie Victoria Beckham. Damals hiess sie noch Victoria Adams.
Brian war meine Liebe. Ich war total in ihn verliebt.
Mit Schulkameradinnen meines älteren Bruders war ich auf einem Spice-Girls-Konzert in Zürich. Kurz darauf habe ich auch Destiny’s Child live gesehen.
Die Backstreet Boys habe ich zweimal live gesehen. Das erste Konzert war in Zürich, das zweite in Winterthur. Beim Konzert war ich mit Bernadette dort, von ihr erzähle ich gleich mehr. Eine Schulkollegin von Bernadette kam auch mit. Poppy kam auch mit, und ihr Vater hat uns begleitet.
Ein Mädchen wie eine Schwester
Meine Eltern haben vier oder fünf Jahre lang die Tochter von Bekannten aufgenommen. Sie war schon vorher oft bei uns. Dann hat sie bei uns gewohnt. Sie hiess Bernadette. Für uns war sie wie eine Schwester.
Das war ungefähr in dieser Zeit. Bei meinem Bruder durfte ich nicht mehr schlafen. Und ich hatte so viel Angst vor „Es“, davon habe ich in „Mein Pippi-Langstrumpf-Planet“ erzählt.
Zum Glück kam sie. Bei ihr konnte ich schlafen.
Die Miniplayback-Show

In der fünften Klasse gab es eine Miniplayback-Show.
Ich trat auf als Victoria Beckham. Mein Lied war „Stop“ von den Spice Girls.
Es kam gut beim Publikum an. Für mich war es der Wahnsinn, weil ich es so gern gemacht habe.
Einen zweiten Auftritt hatte ich am Sommerfest im Schwimmbad. Dort gab es „Spice Up Your Life“ und „Stop“.
Bei beiden Auftritten habe ich mich voll wohlgefühlt.
Und dann war da Sarah
Wenn Skilager in der Jugendherberge waren, habe ich mir eine Haarspange reingemacht. So wie bei meinen Auftritten als Victoria.
Und dann habe ich mich als Mädchen ausgegeben. Mein Name dann: Sarah.
Mehr dazu schreibe ich nicht.
Ich war gern jemand anderes
Victoria. Sarah. Der Klassenclown.
Auf der Bühne musste ich nichts lesen und nichts schreiben. Und vielleicht war das für mich damals ein kleiner sicherer Ort. Wie meine Tanne.
Ich musste nicht gut in Buchstaben sein. Ich konnte tanzen.
Mit 13: Bi ist nicht gleich schwul
Jetzt springe ich ein Stück vor.
Mehr zu meinem Coming-out als bi erzähle ich in „Mit 13 begann eine neue Zeit“, der nächsten Folge. Hier geht es darum, wie aus bi schwul wurde.
Ich war mal bi. Das stimmt.
Aber bi ist nicht gleich schwul. Für mich war es ein Zwischenschritt.
Heute sage ich: Ich bin schwul.
Was meine Eltern sagten
Meine Eltern hatten Verständnis. Sie sagten einfach: „Entscheide dich für etwas.“
Sie waren sehr positiv eingestellt zu Homosexualität. Für sie war es egal, ob homosexuell oder heterosexuell.
Sie erklärten mir, dass bi ein Übergangsweg zur Homosexualität ist. Erfahrungen mit Männern und danach mit Frauen seien ganz normal.
Aber ich solle mich entscheiden. Es sei nicht in Ordnung, immer vom einen Geschlecht zum anderen zu wechseln.
Schon etwas mit einem Schulkameraden
Ich war 13. Ich hatte etwas mit einem Schulkameraden, eine Klasse über mir. Wir haben gern zusammen geschmust, und ein paar Mal gab es auch etwas Sexuelles.
Dann war meine Mission: Mensch, jetzt muss ich auch mal was mit einer Frau haben.
Mein erstes Mal mit einem Mädel
Später habe ich mit einem Freund im Bluewin-Chat mit zwei Girls gechattet. Dann hatte mein Freund sturmfrei.
Dort hatte ich mein erstes Mal, mit einer in meinem Alter. Ich Junge, sie Mädel.
Ich habe alles so gemacht, wie ich es vorher mit meiner besten Freundin Mayumi besprochen hatte. Mit ihr war Sex immer ein Thema.
Ich hatte im Hinterkopf: Ich muss mich entscheiden.
Aber die Aufregung war nicht da. Das Feuerwerk in mir, das ich beim Schulkameraden gespürt hatte, fehlte.
Und dann war es klar: Okay. Ich bin schwul.
Mama und Papa waren erleichtert
Meine Eltern waren erleichtert, als ich es ihnen sagte.
Mir tat es sehr leid für sie. Die süsse Mausi hatte sich damals sehr in mich verliebt. Wir wären wirklich ein süsses Paar gewesen.
Aber ich hatte kein Feuerwerk.
Sie war so verletzt, dass sie sagte, sie sei schwanger. Es stimmte nicht. Sie hat es gesagt, weil sie verletzt war.
Wahnsinn. Für mich damals sehr viel.
Damals war das kein Thema
Sich im falschen Körper zu fühlen, war damals kein Thema. Man sprach nicht darüber. In dieser Zeit war es etwas Ungewöhnliches.
Mein Traum war ein anderer. Ich wollte Paris Hiltons schwuler neuer bester Freund sein, so wie Stephen Hampton, der Gewinner der zweiten Staffel von „Paris Hilton’s My New BFF“.
Fachwissen zu dieser Folge: Was Fachleute über Transidentität bei Kindern und Jugendlichen sagen, steht hier: Im falschen Körper geboren? Was Fachleute über Transidentität bei Kindern und Jugendlichen sagen
Meine Geschichte – Folge 4
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